Shinji




Es war das Jahr 1588, der Krieg zwischen Spanien und der englischen Krone tobte unerbittlich. König Philip II. von Spanien wollte mit 125 Kriegsschiffen den Erzrivalen England endlich in die Knie zwingen. Er erhoffte sich so ein für allemal den Konkurrenten um die Kolonialgebiete in Amerika loszuwerden. Unter dem Kommando des Herzogs von Medina Sidonia sollte England erobert und Königin Elizabeth I. gefangen genommen werden. Soweit der Plan.

Doch es kam alles anders. Ursprünglich sollte sich die Armada Medinas im Ärmelkanal mit den Truppen des Herzogs von Parma treffen, doch dieser tauchte nicht auf. Zudem war die englische Flotte gewarnt worden und rechtzeitig abwehrbereit. Sie nutzte das günstige Wetter und verfolgte nun ihrerseits die spanische Armada und zwang sie zu einer ersten Schlacht, in welcher die britische Flotte gleich drei der größten spanischen Schiffe zerstörte. Die restliche Flotte zog sich nach Calais zurück. Flottenkommandeur Medina sah keinen anderen Ausweg und befahl den Rückzug. In seiner Verzweiflung befahl er den anderen Kapitänen die Flucht um Schottland und Irland zurück nach Spanien. Schnell stellte sich dieser Befehl als fataler Fehler heraus, denn die spanische Armada besaß weder das notwendige Kartenmaterial noch Lotsen, die das Gebiet vor ihnen kannten. So gingen bei dieser Fahrt eine große Zahl ihrer Schiffe in Stürmen verloren oder liefen auf die zahlreichen Klippen der Küsten auf.

Zu Medinas Armada gehörten auch Transport- und Handelsschiffe, die teilweise auf Kriegstüchtigkeit umgerüstet worden waren. Diese Schiffe waren zum Großteil von der spanischen Krone zwangsrekrutiert worden. Auch die Gordon, das Schiff eines reichen Kaufmanns aus Gijón, war auf diese Weise beschlagnahmt worden. Seine heftigen Proteste hatten dem Händler nichts genützt, er erwirkte jedoch, dank seiner guten Beziehungen, das er auf dem Schiff verbleiben und die Mannschaft selbst auswählen durfte. Im Kriegsgeschehen wurde die Gordon mehrmals beschädigt und in Calais nur notdürftig zusammengeflickt. Das Schiff sollte über Schottland zurück nach Spanien segeln, aber die Ruder waren brüchig und die Schiffsseiten gaben an einigen Stellen nach. Immer wieder steuerten sie Häfen an um notwendige Reparaturen durchzuführen.

Nur zwei Tage nach Abfahrt von Killybegs Harbour zerbrach das Ruder erneut und das Schiff leckte. Mit letzter Kraft lief die Gordon bei Spanish Point in der Nähe von Dunluce Castle auf Grund. Die meisten an Bord ertranken, ehe sie die rettende Küste Irlands erreichten. Von der ehemaligen 430 Mann starken Besatzung überlebten nur wenige. Darunter war einer der Leichtmatrosen, zwei weitere Besatzungsmitglieder, der Schiffskapitän, der Händler dem die Gordon gehörte und ein paar Kinder. Sie alle konnten sich an Land retten und wurden dort von James MacDonnell und seinem Vater Sorley Boy MacDonnell vor den Engländern in Dunluce Castle versteckt.

Die Helfer an Land hatten sich nicht erklären können, warum die Kinder an Bord gewesen waren und der Händler schwieg sich beharrlich darüber aus, was durchaus seinen tieferen Grund hatte. Die MacDonnells halfen den Schiffbrüchigen nach Spanien zurückzukehren, ließen sich ihre Hilfe aber reichlich bezahlen, zu reichlich wie James noch feststellen sollte, denn die englische Krone erhob Anspruch auf das Gold.

Bis auf die geretteten Kinder, die von James und seinem Vater Sorley nach Dunluce Castle gebracht wurden, blieb niemand der Überlebenden in Irland zurück. Die Kinder waren zwischen 7 und 11 Jahre alt. Es handelte sich um drei Mädchen und zwei Jungen, alle asiatischer Abstammung. Verängstigt warteten sie was auf sie zukommen würde. Zunächst jedoch wusste niemand was mit den Kindern anzufangen, bis diese begannen von sich aus Arbeiten auf Dunluc Castle zu übernehmen und sich damit schnell in die Gesellschaft integrierten. Nach und nach lernten sie die gälische Sprache und wurden mit den anderen Kindern des Hofes unterrichtet.

Die Jahre vergingen und 1584 gehörte James MacDonnell mittlerweile zu den beliebtesten Höflingen am Hof König James VI. von Schottland. Er war dort gern gesehen und wurde geschätzt. James pflegte zu den einst geretteten Kindern eine besonderes herzliche Freundschaft. Besonders eines der Mädchen hatte er in sein Herz geschlossen und so etwas wie brüderlichen Stolz entwickelt. Er nahm sich vor Mae Ling, die zu einer sehr attraktiven jungen Dame herangewachsen war, mit an den Hof zu nehmen, um sie dort einzuführen. Doch noch bevor es soweit war überschlugen sich die Ereignisse.


James weigerte sich auch nach dem Friedensschluss seines Vaters mit der englischen Königin, dieser die von den Schiffbrüchigen erhaltenen Zahlungen auszuhändigen und Steuern zu bezahlen.
Bei einem Kampf zwischen James und Sir John Chichester, einem Vertreter der englischen Krone und beauftragt das Geld zu beschaffen, wurde dieser tödlich verwundet.


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